IT ist nicht ‚grün‘ und wird es niemals sein!
Wer wollte angesichts langfristig steigender Energiekosten und der anhaltenden Diskussionen um den Klimawandel bestreiten, dass Green IT ein wichtiges Thema unserer Zeit ist? Allein diese drei Beispiele sprechen eine eindeutige Sprache:
•Die ICT-Branche ist weltweit für zwei Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Dies entspricht den Emissionen der Luftfahrt.
•In britischen Haushalten hat sich der Stromverbrauch der Informations- und Kommunikations-Geräte binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Bis 2020 dürften sie rund die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs eines jeden Privathaushalts ausmachen.
•Die Ausgaben für Energie steigen in den Rechenzentren achtmal schneller als die Ausgaben für Hardware. Sie machen damit heute bereits den Löwenanteil des IT-Budgets aus. Nach optimistischen Schätzungen könnte dieser Energieverbrauch auf etwa die Hälfte schrumpfen.
Ist dies nicht Beleg genug für die Relevanz des Themas? Warum werden dennoch immer wieder Stimmen laut, die Green IT als einen Hype bezeichnen?
Hochgiftiger Elektroschrott Ein Grund für diese Bewertung liegt bei der Terminologie, die man leicht fehlinterpretiert. Denn faktisch ist die IT nicht „grün“. Die Ursachen hierfür liegen nicht allein beim Energieverbrauch, der mit der Nutzung der High-Tech-Geräte verbunden ist. Über den Energieverbrauch hinaus muss die Analyse auch zusätzliche Posten berücksichtigen. Toxische Substanzen wie Blei, Quecksilber, Kadmium oder Brom werden zur Herstellung benötigt. Bei unsachgemäßem Umgang können von diesen Stoffen bedeutende Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen. Daneben ist die IT-Branche für einen Großteil des Elektroschrotts verantwortlich, der wegen seiner Materialeigenschaften oft nur schwer wiederverwertet werden kann.
Tatsächlich muss Green IT weit über das Senken von Energiekosten hinaus gehen und für einen umfassenderen Ansatz stehen. Dieser soll dabei helfen, die historische Kopplung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum zu lösen. Bereits heute trägt die IT dazu bei, in vielen Branchen den Ressourceneinsatz zu senken. So bauen zahlreiche Unternehmen auf moderne Steuerungstechnologie, die bestehende Prozesse besser überwacht und die Effizienz in der Produktion erhöht.
Green IT sollte nicht allein als Energiesparen bei der IT, sondern mehr als Energie- und Ressourcensparen mit IT verstanden werden. Hier sind die Strategen der Unternehmen und der Regierungen gefordert, die neuen Möglichkeiten zur Entkopplung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum zu nutzen. Auch wenn IT nicht grün ist und es niemals sein wird – Green IT ist alles andere als ein schnell vergänglicher Hype!