Brigitte von Boch ist der Kopf eines außergewöhnlichen Lifestyle-Unternehmens. Die vierfache Mutter hatte sich bereits in der Gesellschaft den Ruf als kreative Gastgeberin erworben, als sie Mitte der 90er Jahre im Saarland ein eigenes Hotel im modernen Landhausstil eröffnete. Später entstanden dann in Zusammenarbeit mit ihrem Sohn Oliver Dekorationsbücher und ein Versandhandel für die eigene Kollektion aus Mode, Möbeln und Accessoires, die inzwischen in 16 eigenen Geschäften präsentiert wird. Auf Erfolgskurs ist auch das Lifestyle-Magazin „Brigitte von Boch LIVING“.

Eine Frage der Halbwertzeit

Life-Stylistin Brigitte von Boch, über die Tücke der Eile beim Kauf von Geschenken und die Kunst, mit kleinen Überraschungen nachhaltig Freude auszulösen.
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Kinder haben vermutlich mehr Fantasie. Oder sie sind einfach unbefangener im Umgang mit eigenen Begehrlichkeiten, als Erwachsene. Auf die Frage nach dem richtigen Geschenk präsentieren sie gleich eine ganze Liste von Dingen, die Sie sich wünschen. Mit großer Vorfreude erwarten die Kleinen dann die Erfüllung – und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Den Großen fällt dagegen oft gar nichts mehr ein. Im schlimmsten Fall wird von maskuliner Schenkerseite noch schnell die Sekretärin beauftragt, um der Partnerin etwas zu besorgen. Oder es profitieren die vielen Markenboutiquen auf den Flughäfen. Aber wer braucht noch einen edlen Kugelschreiber? Oder das zehnte Tuch aus gutem Pariser Hause? Die Sache mit dem Parfum ist aus Frauensicht sowieso ein mittleres Missverständnis. Schließlich überlassen wir die Wahl des Duftes nicht dem Zufall und wenn wir uns entschieden haben wird natürlich eigenständig vorgesorgt, damit keine Engpässe entstehen.
Das Schenken scheint also mit zunehmendem Alter schwieriger zu werden. Das gilt für beide Geschlechter und beide Seiten, die Schenkende und die zu Beschenkte: Womit kann ich eine Freude machen? Was wünsche ich mir? Wir haben doch schon alles und sind eigentlich bestens organisiert. Als Manager unserer eigenen Person und Individualität gehören Überraschungseffekte immer weniger zum Repertoire, man will immer vorbereitet sein, die „Bella Figura“ gehört zum Geschäft. Das strategisch abgesicherte Selbstbewusstsein ist aber kein Garant für ein lebendiges Gefühlsleben. Deshalb mein – gar nicht materieller – Rat: Schenken Sie Zeit! Und machen Sie sich fantasievolle Gedanken, wie man diese miteinander verbringt! Natürlich gibt es auch wirklich nachhaltige Objekte, an denen man lange Freude hat. Ein außergewöhnliches Accessoire wie eine Handtasche, wirklich noch handwerklich hergestellt, führt so eine gewisse Aura des ganz Persönlichen mit sich, die man im Alltag gerne um sich hat. Bücher sind auch eine bleibende Botschaft. Es soll auch Frauen geben, die man mit einem betagten, liebevoll restaurierten Käfer Cabriolet vor der Tür begeistern kann. Aber freut man sich nicht am meisten über das, was man im Alltag eben nicht zur Verfügung hat? Eine gemeinsame Zeit, miteinander und füreinander, die man so schnell nicht vergisst.
Ein zeitloser Klassiker auf diesem Wunschzettel sind zum Beispiel zwei Wochenendtickets – für einen Flug nach hier oder da. Dort lassen sich gemeinsam sicher auch noch praktikable Souveniers finden, bei deren Erwerb man geschmacklich selbst aktiv werden kann und die man gerne mit nach Hause nimmt. Manchmal muss die Reise auch gar nicht so weit gehen. Mir macht man schon eine große Freude, wenn im Winter ein Nachmittag mit Eisstockschießen auf einem bayrischen See auf dem unverhofften Programm steht. Man muss nur einmal anfangen mit dem Gedankenspiel und dann kommen einem alte Träume in den Sinn, die man gerne mit den Liebsten verwirklichen würde.
Warum also nicht mal nur eine ‚Fahrt‘ im Heißluftballon buchen? Das war doch schon immer eine Idee, die man nie verwirklicht hat. Zusammen macht das Spaß. Mir gefällt dieses Bild, gemeinsam abzuheben. Weil das Schenken keine Einbahnstraße sein darf. Wer diesen Akt ernst nimmt, macht deutlich, dass er eine Beziehung pflegt. „Diamonds are a girls best friends“; das erscheint mir als Motto heute absolut verstaubt, weil sich längst beide Geschlechter verwirklichen. Das Vollenden des eigenen Ichs birgt aber auch eine echte Gefahr: Wir gewinnen autistische Züge, und die sollte man sich einmal im Spiegel angucken!
Das Schenken ist für mich deshalb nicht nur ein Ritual zu gewissen Feiertagen und persönlichen Daten. Wer seine Zeit schenkt, der nimmt tatsächlichen Kontakt auf. Mit allen möglichen Kollateralschäden! Über einen farblich verfehlten Schal oder eine spießige Krawatte legt sich der Mantel gnädigen Schweigens in Bruchteilen von Sekunden. Aber wer zusammen eine Reise macht und Abenteuer besteht, wird gewissen Konflikten kaum entgehen – die durchaus zu neuem Glück führen können! Mit diesen Risiken und Nebenwirkungen leben wir alle.
Die Halbwertzeit von Freude, die ein Geschenk auslöst, korrespondiert fatal mit der Hast, in der es oft nur ‚besorgt‘ wird. Diese Faustformel gibt erfahrungsgemäß eine recht gute Orientierung. Daran gemessen kann ein unerwarteter Liebesbrief das größte Geschenk sein. Ich habe miterlebt, wie viel Zeit ein anspruchsvolles Berufsleben einer Partnerschaft nimmt. Vielleicht kann ich deshalb alles gemeinsam Erlebte noch besser schätzen. Auch mit den Kindern und deren Fantasie. Sie ahnen es doch selbst: Geschenke brauchen einfach Zeit!

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