Drei Fragen an Olaf Heyden, Geschäftsführer T-Systems und Leiter ICT-Operations
Herr Heyden, Windows 7 kommt im Markt gut an. Was macht das neue Betriebssystem so interessant für Unternehmen?
Heyden: Auch wenn Windows 7 einige Features bietet, die eine echte Weiterentwicklung darstellen, ist weniger das Produkt selbst das Interessante. Windows 7 hat vielmehr eine strategische Komponente. Microsoft hat sich mit Vista wenig Freunde gemacht. Daher haben viele Unternehmen auf einen Umstieg von XP auf Vista verzichtet. Nun besteht in der Desktop- und Notebooklandschaft ein echter Investitionsstau. Immerhin arbeiten die meisten Unternehmen seit mittlerweile fast zehn Jahren auf XP. Hierfür läuft der Support bald aus.
Warum sprechen Sie von einem Investitionsstau? Mit Windows 7 ändert sich doch letztendlich nur das Betriebssystem.
Heyden: In zehn Jahren XP hat sich einiges auf dem Softwaremarkt verändert. Zwar hat Windows durch Patches XP immer wieder anpassen können, aber auf Dauer ist daraus eher eine – wenn auch gut funktionierende – Krücke entstanden, die nicht mehr in allen Belangen „State of the Art“ ist. Unternehmen konnten daher im Wesentlichen nur in Hardware investieren. Dies ist aber nur die äußere Hülle. Entstanden ist aber über die Jahre eine sehr komplexe Softwarelandschaft, die sich nur noch mit großem Aufwand managen lässt. Es gibt Berechnungen, nachdem mehr als zwei Drittel der Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines PCs oder Laptops auf Support, Service und Wartung entfallen. Dies ist ein gewaltiger Anteil.
Wie lautet Ihr Rezept gegen diese Entwicklung?
Heyden: Wie in den Rechenzentren müssen Unternehmen auf einen Mix aus Virtualisierung und Standardisierung umsteigen. Die allermeisten Anwendungen, die wir auf unseren Desktops nutzen, sind Standardprogramme wie Office. Auch die meisten Unternehmensanwendungen nutzen wir längst übers Netz. Dazu zählen Geschäftsanwendungen wie SAP. Windows 7 bietet nun die Chance mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Umstieg auf ein modernes Betriebssystem, gleichzeitig Einführung einer Desktop-Virtualisierung, Rückbau der Variantenvielfalt auf wenige standardisierte Arbeitsplatzsysteme und wo immer möglich, Wechsel von Fat auf Thin Clients. Dies alles spart viel Geld und gleichzeitig verbessern die Unternehmen ihre Energiebilanz.