„Bei europäischen AM-Deals ist T-Systems ein wichtiger Player.“

Best Practice im Gespräch mit Analyst Klaus Holzhauser, Director PAC
Welche Vorteile ergeben sich für Unternehmen, die Application Management (AM) nutzen?
Zunächst einmal interessieren Unternehmen die Vorteile auf der Kostenseite, die sich mit optimierten Delivery-Modellen, dem Einsatz von Near- oder Offshoring und der Einführung von Fixpreis-Elementen ergeben. Darüber hinaus lassen sich durch die Übergabe an einen spezialisierten Dienstleister Effizienz- und Qualitätsverbesserungen erzielen. Diese zeigen sich etwa in der Professionalisierung von Wartung, Weiterentwicklung und Compliance-Überwachung. Nicht zuletzt steigt in der Regel auch die Qualität der Dokumentation durch einen externen Provider.
Gibt es Nachteile, oder eventuelle Vorbehalte aufseiten der Unternehmen?
Typische Vorbehalte gegenüber AM waren anfangs vor allem die Befürchtung eines Know-how-Verlusts oder einer zu großen Abhängigkeit von einem Dienstleister. Dies hat sich durch die Praxis inzwischen abgeschwächt. Auch die eventuelle Rücküberführung in einen Inhouse-Betrieb oder der Übergang auf einen anderen Provider gelten inzwischen nicht mehr als kritische Punkte.
Gleichwohl ist es für ein AM nutzendes Unternehmen in jedem Fall ratsam, nicht das komplette Know-how auszulagern. Steuerung und Governance müssen im Haus bleiben, Key-User gehalten werden. Eines sollten Anwenderunternehmen immer beachten: Eine rein auf Kostensenkung ausgelegte Einführung von AM wird kaum zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen. AM muss auch Prozessverbesserungen mit sich bringen.
Wird eher das Komplett-Outsourcing der Applikationen genutzt, oder setzen Unternehmen mehr darauf, den Betrieb bestimmter einzelner Applikationen auszulagern?
Die komplette Auslagerung von Applikationslandschaft und Infrastruktur ist heute nicht mehr so stark verbreitet. Unternehmen bevorzugen meist ein selektives Outsourcing einzelner Applikationen. Im deutschsprachigen Raum ist vor allem AM für SAP verbreitet, es wird in Zukunft aber auch u.a. im Bereich PLM (Product Lifecycle Management) zunehmen.
Wie hat sich der Markt für AM in Deutschland und weltweit bislang entwickelt?
Der hiesige Markt für AM ist noch relativ jung. Er hat sich vor allem im SAP-Umfeld stark entwickelt, auch wenn es 2008/9 infolge der Wirtschaftskrise zu einer Wachstumsdelle gekommen ist, da das Bestandsgeschäft unter Preisdruck geriet und einige Kunden in Schieflage gerieten (u.a. KarstadtQuelle). Inzwischen hat aber gerade die Zahl der AM-Vertragsabschlüsse im Bereich zwischen 5 und 30 Millionen Euro wieder zugenommen. In Ländern wie den USA, Frankreich oder Großbritannien hat AM eine längere Tradition, allerdings wird dort sehr viel stärker als in Deutschland kundenspezifische Individualsoftware in AM-Betrieb übergeben.
Wie gut sehen Sie den ICT-Dienstleister T-Systems für AM aufgestellt?
Die T-Systems hat in den letzten Jahren klare Fortschritte in den Delivery Prozessen für AM gemacht. Nach Einschätzung von PAC ist es T-Systems gelungen, besonders bei europäischen AM Deals einer der wichtigen Player zu werden.
Ihre Stärken spielt T-Systems vor allem aus, wenn im Rahmen des AM auch der dazugehörende Infrastrukturbetrieb (Hosting) erbracht werden soll. Und natürlich in den Branchen, wo T-Systems zu Hause ist, also Automotive, aber auch Manufacturing im allgemeinen, Telecom sowie Public Sector & Healthcare.
Und wie beurteilen Sie die Zukunftsperspektiven von AM, auch angesichts der noch nicht ausgestandenen Finanz- und Wirtschaftskrise?
Nach dem angesprochenen Wachstumsrückgang der letzten beiden Jahre wird der Markt ab 2010 wieder an Dynamik gewinnen. Der weltweite AM Markt wird mit einem CAGR (durchschnittliches jährliches Wachstum) um die 7% auf rund 60 Milliarden Euro (davon knapp 50% "stand alone") im Jahr 2013 wachsen. Wir erwarten für das Marktsegment SAP-related AM ein CAGR von gut 8 Prozent und ein Volumen von rund 11 Milliarden Euro in 2013.

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